Vorrunde – Deutscher Mannschaftspokal

Nachdem wir uns in der vergangenen Saison im Landespokalfinale nur knapp dem SV Babelsberg geschlagen geben mussten, qualifizierten wir uns als Zweitplatzierter dennoch für die Deutsche Pokalmannschaftsmeisterschaft – gewissermaßen der DFB-Pokal des deutschen Schachs. Im vergangenen Jahr gelang uns dort eine kleine Sensation, als wir in der Vorrunde den damaligen Zweitligisten SC Kreuzberg ausschalten konnten. Damit zogen wir in die Zwischenrunde ein, in der sich die Gegner schließlich als zu stark für uns erwiesen.

In diesem Jahr wurden wir in eine Gruppe mit den Oberligisten SK Tegel Berlin und SV Bad Schwartau sowie dem Verbandsligisten aus Neubrandenburg gelost. Dabei galt der SK Tegel mit zwei gemeldeten Großmeistern als klarer Favorit. Austragungsort war Neubrandenburg, was uns immerhin eine moderate Anreise bescherte. Die Vorbereitung auf den Pokal stand jedoch unter keinem guten Stern: Bereits im Vorfeld hatten wir mit zwei Absagen unserer Topspieler zu kämpfen. Einen Tag vor Spielbeginn fiel zudem krankheitsbedingt auch noch unser dritter Spitzenspieler aus, was unsere Erwartungen deutlich dämpfte. Zu all diesen Problemen gesellte sich schließlich auch noch Wintersturm Elli, der weite Teile Brandenburgs in einen regelrechten „Arctic Outbreak“ versetzte – sodass bis zuletzt nicht einmal sicher war, ob überhaupt gespielt werden konnte.

Trotz zahlreicher Absagen konnten wir schließlich mit Nils Werthmann, Kristof Illner, Dave Möwisch und Vereinspräsident Steffen Bernhöft, der dankenswerterweise kurzfristig einsprang, doch noch eine schlagkräftige Mannschaft ins Rennen schicken. Nach einer problemlosen Anfahrt – die Straßen waren erstaunlich gut geräumt – kehrten wir zunächst, wie es sich gehört, beim Mexikaner neben dem Spiellokal ein, um uns mit deftiger mexikanischer Küche zu stärken. Als wir anschließend den Spielraum betraten, folgte die große Überraschung: Der haushohe Favorit SK Tegel konnte keine vier Spieler aufbieten und war nicht angereist. Damit zog eine Mannschaft kampflos in die nächste Runde ein. Zu unserer Überraschung – und aus meiner Sicht entgegen Ausschreibung und Regelwerk – entschied Pokalleiter Frank Strozewski jedoch eigenständig und ohne Auslosung, dass Neubrandenburg kampflos weiterkommt. Für uns bedeutete dies, dass wir gegen den SV Bad Schwartau antreten mussten.

Die „Pokal-Rumpeltruppe“ von links nach rechts: Kristof Illner, Mannschaftskapitän Nils Werthmann, Dave Möwisch und Vereinspräsident Steffen Bernhöft. 

Wir spielten mit folgender Aufstellung:

PSV                                                    Bad Schwartau

Nils Werthman (2055)    vs           Thomas Schmid                (2194)

Dave Möwisch  (2011)    vs           Jaron Schindel                  (1958)

Kristof Illner (2069)         vs           Thomas Tönniges             (2057)

Steffen Bernhöft (1889) vs           Oliver Schwarz                 (2057)

Kaum hatte der Schiedsrichter den Startschuss gegeben, zeichnete sich bereits früh ab, dass die entscheidende Partie wohl an Brett 3 ausgetragen werden würde. Kristof und sein Gegner attackierten sich gegenseitig mit h3–g4 beziehungsweise h6–g5, was einen spannenden und dynamischen Partieverlauf versprach. Am ersten Brett zeigte Nils eine sehr solide Partieführung und drängte seinen Gegner zunehmend in die Passivität. Da es an den übrigen Brettern gut für uns aussah und die Stellung immer weiter verflachte, sicherte er folgerichtig den ersten halben Punkt. 0,5:0,5.

An Brett 4 spielte Steffen Bernhöft zunächst eine nahezu blitzsaubere Partie und stand sehr solide. Leider übersah er dann eine kleine taktische Wendung, sodass sein Gegner mittels einer Springergabel entscheidendes Material gewinnen konnte. 0,5:1,5. Währenddessen erspielte sich Kristof an Brett 3 zunehmend Vorteile, die er schließlich in einen schönen Schwarzsieg ummünzen konnte. 1,5:1,5.

Damit fiel die Entscheidung an meinem Brett. Meine Partie gestaltete sich äußerst komplex: Mal hatte ich die bessere Stellung, mal mein Gegner. Allerdings verbrauchte mein Gegner sehr viel Zeit, sodass ihm bereits ab Zug 20 nur noch etwa eine Minute auf der Uhr blieb. Nach einigen ungenauen Zügen konnte ich mir dadurch eine sehr vorteilhafte, nahezu gewonnene Stellung erarbeiten. Um den Mannschaftssieg abzusichern – wir hatten die bessere Berliner Wertung – gab ich Dauerschach, das mein Gegner nicht mehr ablehnen konnte.

So zogen wir mit einem 2:2 und der besseren Berliner Wertung von 5,5:4,5 in die nächste Runde gegen Neubrandenburg ein.

Nach diesem Dopamin- und Euphorieschub quartierten wir uns zunächst im örtlichen Parkhotel ein und feierten den „etwas überraschenden“ Sieg beim lokalen Griechen mit reichlich Ouzo. Nach einigen weiteren Kaltgetränken wurden schließlich sogar noch die Partien des Tages analysiert und ein Schlachtplan für den kommenden Gegner Neubrandenburg geschmiedet. Wir spielten folgendermaßen:

PSV                                                    Neubrandenburg

Dave Möwisch    (2011)  vs           Peter Stövesand               (2044)

Nils Werthmann (2055)  vs           Eric Stövesand                 (2066)

Steffen Bernhöft (1889) vs           Daniel Schulz                    (1979)

Kristof Illner       (2069)  vs           Andreas Roßmann          (1922)

Da ich gesehen hatte, dass beide Stövesand-Brüder mit 1.e4 eröffnen und ich mich mit Schwarz recht sicher fühlte, ging ich an Brett 1 mit dem Ziel, ein solides Remis zu halten. An den Brettern 2 und 3 sollten Nils und Steffen auf Sieg spielen, während Kristof hinten das Ergebnis absichern sollte, falls etwas Unvorhergesehenes passieren würde.

So der Plan – und zunächst lief auch alles nach Plan. Ich kam sehr gut aus der Eröffnung und erspielte mir einen deutlichen Zeitvorteil auf der Uhr. Nils führte eine hochtaktische Partie und stand nach meiner Einschätzung auf Gewinn. Steffen hielt seine Stellung souverän zusammen und ließ ebenfalls nichts anbrennen.

Kristof stand in seiner Partie vor einer grundsätzlichen Entscheidung: Entweder er riskiert etwas und spielt auf Sieg, oder er richtet sich sehr passiv ein. Da die übrigen Stellungen vielversprechend aussahen, nahm er das Remisangebot seines Gegners an. 0,5:0,5.

Wenig später wendete sich jedoch das Blatt zugunsten der Neubrandenburger. Nils fand leider nicht die gewinnbringende Fortsetzung und unterlief anschließend ein taktischer Fehler, der die Partie vollständig kippte. 0,5:1,5. Steffen hielt seine Stellung weiterhin im Gleichgewicht und einigte sich – auch vor dem Hintergrund, dass es an meinem Brett zunehmend kritisch wurde – mit seinem Gegner auf Remis, was für ihn dennoch ein sehr beachtlicher Erfolg war. 0,5:2,0.

Damit musste ich meine Partie zwingend gewinnen, um den Wettkampf noch zu drehen. Nach guter Eröffnung unterlief mir jedoch ein strategischer Fehler: Für einen Angriff, den es so nicht gab, riskierte ich zu viele Schwächen im eigenen Lager. Mein Gegner nutzte dies konsequent aus und gewann die Partie verdient.

Somit endete unser Pokalabenteuer leider etwas enttäuschend mit einer 1:3-Niederlage gegen Neubrandenburg, die damit ins Achtelfinale einzogen. Nichtsdestotrotz haben wir unter den schwierigen Umständen einen ordentlichen Wettkampf abgeliefert und verabschieden uns mit erhobenem Haupt aus dem Deutschen Pokal.

Nächstes Jahr wollen wir erneut angreifen und den ein oder anderen Favoriten ordentlich ärgern – vorausgesetzt, wir qualifizieren uns wieder.

Dave Möwisch  

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